Advocaat, der neben seiner langjährigen Tätigkeit als niederländischer Nationaltrainer unter anderem auch südkoreanischer WM-Trainer von 2006 war sowie ein kurzzeitiges Engagement als Coach der Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate hatte, ist stolz über den Finaleinzug mit seiner russischen Überraschungself. "Jeder in Europa spricht darüber, wie Zenit spielt. Das ist sensationell", betont der Niederländer.
Besonders nach dem überzeugenden 4:0-Erfolg im Halbfinal-Rückspiel über Double-Gewinner Bayern München ist der amtierende russische Meister in aller Munde und geht als Favorit ins Endspiel. Die technisch versierte Truppe wusste im bisherigen Wettbewerb besonders in der Offensive zu überzeugen. 24 Tore in 14 Spielen sprechen besonders im Europapokal eine deutliche Sprache. Die Russen laufen jedoch ohne ihren Zehn-Tore-Mann Pawel Pogrebnjak, der eine Gelbsperre absitzen muss, auf. Dafür kommt Andrei Arshawin zum Einsatz, der sein Können im Viertelfinale gegen Bayer Leverkusen unter Beweis gestellt hat und mit seiner Schnelligkeit auch der Rangers-Abwehr zu schaffen machen wird.
Trotz aller Lobeshymnen auf das Advocaat-Team, gehen die Schotten bei weitem nicht chancenlos in die Auseinandersetzung. Während St. Petersburg das erste Mal in seiner 83-jährigen Vereinsgeschichte in einem europäischen Finale steht, ist es für Glasgow bereits das vierte Europapokalendspiel. Ausgerechnet gegen eine russische Mannschaft waren die Rangers dabei einmal siegreich - 1972 bezwangen sie Dynamo Moskau mit 3:2.
"Können Geschichte schreiben"
Für die Mannen von Trainer Walter Smith spricht außerdem ihre hervorragende Defensive. Nachdem die Schotten in der Vorrunde der Champions League ausschieden, kassierten sie in acht UEFA-Cup-Partien nur zwei Gegentore. Zudem kann der schottische Vizemeister auf die Unterstützung seiner Fans bauen. Gut 80.000 "Bravehearts" nahmen den 350-Kilometer-Kurztrip von Glasgow nach Manchester zum City-Stadion auf sich. "Das wird wie ein Heimspiel wie im Ibrox Park", sagte Coach Smith, der 1998 noch der Amtsvorgänger von Advocaat war.
Fußball-Ästheten werden sich am Spiel Glasgows, das drei Nullnummern in den vergangenen vier Spielen produzierte und sich nur durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen den AC Florenz für das Finale qualifizierte, nicht gerade erfreuen können. Auch wenn der Rangers-Trainer forderte, dass sich seine Mannschaft "mehr am Spiel beteiligen" solle.
Fragt sich nur, wer am Ende triumphiert - die russische Offensive oder das schottische Bollwerk. Advocaat hat jedenfalls bessere Argumente als sein schottischer Kompagnon und weiß, seine Spieler zu motivieren: "Wir sind nur noch eine Partie davon entfernt, Geschichte zu schreiben", so der 60-Jährige.
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Zenit St. Petersburg: Malafejew - Schirokow, Anjukow, Krizanac, Sirl - Denisow, Timoschtschuk, Syrijanow - Dominguez, Tekke, Arschawin
Glasgow Rangers: Alexander - Broadfoot, Weir, Cuellar, Papac - Whittaker, Davis, Ferguson, McCulloch - Darcheville - Novo