Mittwoch, 14. mai 2008

Den wilden Taumel der Kölner Aufstiegs-Party hätte um ein Haar ein abrupter Katzenjammer abgewürgt. "Irre Spekulationen" kursierten um einen vorzeitigen Abschied des in der Domstadt verehrten Christoph Daum. Mit einem Treueschwur schaffte der Geißbock-Coach jetzt ein Ende der Ungewissheit.

"Selbstverständlich will ich weiter beim FC bleiben. Ich habe einen Vertrag bis 2010. Und den will ich erfüllen. Das ist jetzt keine Pokerei, ich spiele nicht mit dem Klub", schrieb Daum nun in einer Kolumne für den Kölner "Express". So selbstverständlich war das Bekenntnis zum FC freilich nicht. Schon bei der Aufstiegsfeier war die gebremste Euphorie des Taktikers aufgefallen. Am Montag noch zitierte ihn dasselbe Kölner Boulevard-Blatt mit den Worten: "Der FC war eine Herzensangelegenheit, aber ich kann nicht mehr weitermachen. Es hat keinen Zweck mehr."

FC-Zukunft: Klassenerhalt statt Königsklasse

Hintergrund der Spekulationen um einen vorzeitigen Abschied war das schwierige Verhältnis Daums zur Clubführung. Öffentlich kritisierten der Präsident Wolfgang Overath und dessen Vize Jürgen Glowacz die Taktik des Trainers. Hinzu kommt, dass dem Abgang des Stürmers Patrick Helmes noch keine prominenten Neuzugänge gegenüber stehen. Ziel in der Bundesliga wird daher zunächst der Klassenerhalt und keineswegs das internationale Geschäft sein.

Die große europäische Bühne hätte Daum dagegen mit Galatasaray Istanbul betreten können. Der frischgebackene türkische Meister ist bereits für die Champions League qualifiziert und soll Daum laut "Kicker" ein Vertragsangebot gemacht haben. Als Meister mit Besiktas und Fenerbahce Istanbul genießt der Türkei-erfahrene 54-Jährige einen glänzenden Ruf am Bosporus. Auch zu den Ambitionen Daums passt die Königsklasse besser als der Abstiegskampf. Deswegen wollte Daum nichts überstürzen. "Ich möchte in dieser Jubelstimmung nicht einen Schnellschuss bereuen. Es gibt jede Menge Probleme, die anzusprechen sind", dämpfte Daum bei "Calli.TV" gegenüber Reiner Calmund die Erwartungen. Es drohte dem Verein ein Schicksal wie 2005, als Huub Stevens den "Geißböcken" nach dem Aufstieg den Rücken kehrte.

Daum bekennt sich zum "Premiumpartner"

Was führte also zu dem Sinneswandel? Präsident Overath wird es jedenfalls nicht gewesen sein. Noch nach dem 2:0-Erfolg gegen Mainz, der am vergangenen Sonntag zum Aufstieg führte, hatte die FC-Legende ohne Umschweife auf eine schnelle Entscheidung gedrängt. Manager Michael Meier dagegen hatte Verständnis für die Befindlichkeiten des Übungsleiters gezeigt und das Club-Schicksal in dessen Hände gelegt: "Zu dieser Entscheidung können wir nichts mehr beitragen. Die muss Daum ganz alleine fällen." Einen Alternativkandidaten habe man jedenfalls nicht an der Hand, gab Meier freimütig zu.

Was jedoch eine Rolle gespielt haben könnte, ist, dass Daum nach vielen Jahren auf dem Trainer-Karussel zwischen Leverkusen, Wien und Istanbul mit seiner Familie in Köln heimisch geworden ist. Eine Art Heimkehr wäre auch die Rückkehr in die Bundesliga für den Trainer, der seit seiner Kokain-Affaire vor acht Jahren keinen Club im deutschen Fußball-Oberhaus betreut hat. Der FC, zuletzt noch eine Fahrstuhlmannschaft zwischen Erst- und Zweitklassigkeit, bietet ihm dabei sowohl eine sportliche Herausforderung als auch ein glänzendes Sprungbrett: "Der FC hat fantastische Rahmenbedingungen. In der Wirtschaft würde man sagen: Das ist ein absoluter Premiumpartner, der riesige Emotionen hervorruft. Aber es gibt noch viel zu tun."

von ov veröffentlicht in: Fußball
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Mittwoch, 14. mai 2008
Im UEFA-Cup-Finale greift der "kleine General" gegen seinen ehemaligen Club Glasgow Rangers nach seinem größten Erfolg. Für Dick Advocaat, Trainer von Zenit St. Petersburg, geht es um den ersten europäischen Titel. "Es ist wie ein Wunder, was in St. Petersburg passiert", schwärmt der Weltenbummler.

Advocaat, der neben seiner langjährigen Tätigkeit als niederländischer Nationaltrainer unter anderem auch südkoreanischer WM-Trainer von 2006 war sowie ein kurzzeitiges Engagement als Coach der Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate hatte, ist stolz über den Finaleinzug mit seiner russischen Überraschungself. "Jeder in Europa spricht darüber, wie Zenit spielt. Das ist sensationell", betont der Niederländer.

Besonders nach dem überzeugenden 4:0-Erfolg im Halbfinal-Rückspiel über Double-Gewinner Bayern München ist der amtierende russische Meister in aller Munde und geht als Favorit ins Endspiel. Die technisch versierte Truppe wusste im bisherigen Wettbewerb besonders in der Offensive zu überzeugen. 24 Tore in 14 Spielen sprechen besonders im Europapokal eine deutliche Sprache. Die Russen laufen jedoch ohne ihren Zehn-Tore-Mann Pawel Pogrebnjak, der eine Gelbsperre absitzen muss, auf. Dafür kommt Andrei Arshawin zum Einsatz, der sein Können im Viertelfinale gegen Bayer Leverkusen unter Beweis gestellt hat und mit seiner Schnelligkeit auch der Rangers-Abwehr zu schaffen machen wird.

Trotz aller Lobeshymnen auf das Advocaat-Team, gehen die Schotten bei weitem nicht chancenlos in die Auseinandersetzung. Während St. Petersburg das erste Mal in seiner 83-jährigen Vereinsgeschichte in einem europäischen Finale steht, ist es für Glasgow bereits das vierte Europapokalendspiel. Ausgerechnet gegen eine russische Mannschaft waren die Rangers dabei einmal siegreich - 1972 bezwangen sie Dynamo Moskau mit 3:2.

"Können Geschichte schreiben"

Für die Mannen von Trainer Walter Smith spricht außerdem ihre hervorragende Defensive. Nachdem die Schotten in der Vorrunde der Champions League ausschieden, kassierten sie in acht UEFA-Cup-Partien nur zwei Gegentore. Zudem kann der schottische Vizemeister auf die Unterstützung seiner Fans bauen. Gut 80.000 "Bravehearts" nahmen den 350-Kilometer-Kurztrip von Glasgow nach Manchester zum City-Stadion auf sich. "Das wird wie ein Heimspiel wie im Ibrox Park", sagte Coach Smith, der 1998 noch der Amtsvorgänger von Advocaat war.

Fußball-Ästheten werden sich am Spiel Glasgows, das drei Nullnummern in den vergangenen vier Spielen produzierte und sich nur durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen den AC Florenz für das Finale qualifizierte, nicht gerade erfreuen können. Auch wenn der Rangers-Trainer forderte, dass sich seine Mannschaft "mehr am Spiel beteiligen" solle.

Fragt sich nur, wer am Ende triumphiert - die russische Offensive oder das schottische Bollwerk. Advocaat hat jedenfalls bessere Argumente als sein schottischer Kompagnon und weiß, seine Spieler zu motivieren: "Wir sind nur noch eine Partie davon entfernt, Geschichte zu schreiben", so der 60-Jährige.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Zenit St. Petersburg: Malafejew - Schirokow, Anjukow, Krizanac, Sirl - Denisow, Timoschtschuk, Syrijanow - Dominguez, Tekke, Arschawin

Glasgow Rangers: Alexander - Broadfoot, Weir, Cuellar, Papac - Whittaker, Davis, Ferguson, McCulloch - Darcheville - Novo

 

von ov veröffentlicht in: Fußball
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