Den wilden Taumel der Kölner Aufstiegs-Party hätte um ein Haar ein abrupter Katzenjammer abgewürgt. "Irre Spekulationen" kursierten um einen vorzeitigen Abschied des in der Domstadt
verehrten Christoph Daum. Mit einem Treueschwur schaffte der Geißbock-Coach jetzt ein Ende der Ungewissheit.
"Selbstverständlich will ich weiter beim FC bleiben. Ich habe einen Vertrag bis 2010. Und den will ich erfüllen. Das ist jetzt keine Pokerei, ich spiele nicht mit dem Klub", schrieb Daum nun in einer Kolumne für den Kölner "Express". So selbstverständlich war das Bekenntnis zum FC freilich nicht. Schon bei der Aufstiegsfeier war die gebremste Euphorie des Taktikers aufgefallen. Am Montag noch zitierte ihn dasselbe Kölner Boulevard-Blatt mit den Worten: "Der FC war eine Herzensangelegenheit, aber ich kann nicht mehr weitermachen. Es hat keinen Zweck mehr."
FC-Zukunft: Klassenerhalt statt Königsklasse
Hintergrund der Spekulationen um einen vorzeitigen Abschied war das schwierige Verhältnis Daums zur Clubführung. Öffentlich kritisierten der Präsident Wolfgang Overath und dessen Vize Jürgen Glowacz die Taktik des Trainers. Hinzu kommt, dass dem Abgang des Stürmers Patrick Helmes noch keine prominenten Neuzugänge gegenüber stehen. Ziel in der Bundesliga wird daher zunächst der Klassenerhalt und keineswegs das internationale Geschäft sein.
Die große europäische Bühne hätte Daum dagegen mit Galatasaray Istanbul betreten können. Der frischgebackene türkische Meister ist bereits für die Champions League qualifiziert und soll Daum laut "Kicker" ein Vertragsangebot gemacht haben. Als Meister mit Besiktas und Fenerbahce Istanbul genießt der Türkei-erfahrene 54-Jährige einen glänzenden Ruf am Bosporus. Auch zu den Ambitionen Daums passt die Königsklasse besser als der Abstiegskampf. Deswegen wollte Daum nichts überstürzen. "Ich möchte in dieser Jubelstimmung nicht einen Schnellschuss bereuen. Es gibt jede Menge Probleme, die anzusprechen sind", dämpfte Daum bei "Calli.TV" gegenüber Reiner Calmund die Erwartungen. Es drohte dem Verein ein Schicksal wie 2005, als Huub Stevens den "Geißböcken" nach dem Aufstieg den Rücken kehrte.
Daum bekennt sich zum "Premiumpartner"
Was führte also zu dem Sinneswandel? Präsident Overath wird es jedenfalls nicht gewesen sein. Noch nach dem 2:0-Erfolg gegen Mainz, der am vergangenen Sonntag zum Aufstieg führte, hatte die FC-Legende ohne Umschweife auf eine schnelle Entscheidung gedrängt. Manager Michael Meier dagegen hatte Verständnis für die Befindlichkeiten des Übungsleiters gezeigt und das Club-Schicksal in dessen Hände gelegt: "Zu dieser Entscheidung können wir nichts mehr beitragen. Die muss Daum ganz alleine fällen." Einen Alternativkandidaten habe man jedenfalls nicht an der Hand, gab Meier freimütig zu.
Was jedoch eine Rolle gespielt haben könnte, ist, dass Daum nach vielen Jahren auf dem Trainer-Karussel zwischen Leverkusen, Wien und Istanbul mit seiner Familie in Köln heimisch geworden ist. Eine Art Heimkehr wäre auch die Rückkehr in die Bundesliga für den Trainer, der seit seiner Kokain-Affaire vor acht Jahren keinen Club im deutschen Fußball-Oberhaus betreut hat. Der FC, zuletzt noch eine Fahrstuhlmannschaft zwischen Erst- und Zweitklassigkeit, bietet ihm dabei sowohl eine sportliche Herausforderung als auch ein glänzendes Sprungbrett: "Der FC hat fantastische Rahmenbedingungen. In der Wirtschaft würde man sagen: Das ist ein absoluter Premiumpartner, der riesige Emotionen hervorruft. Aber es gibt noch viel zu tun."